Zu selten gesagt

"Du tust mir gut!", las ich gerade "ist eines der schönsten Komplimente, die man einem Menschen machen kann!"
Vielleicht bin ich zu nachlässig geworden und sage den Menschen, die mir wichtig sind viel zu selten, wie sehr sie mein Leben bereichern und wie gut sie mir tun.

Und dies in dem Bewusstsein, dass ich selbst diese Worte aufsauge und ihrer bedarf.

Zeit, sich wieder einmal zu verdeutlichen, dass Menschen in unserem Leben keine Selbstverständlichkeiten sind!

21.04.2017, 11.27| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: irgendwo zwischendrin

Eine Nacht wie jede andere

Ich wache schweißgebadet auf, zittere und mein Herz klopft laut und überdeutlich. Der Puls rast.
Der Blick auf die Uhr zeigt, was er jede Nacht zeigt, ich habe exakt 90 Minuten geschlafen. Ich liege im Dunkeln und warte darauf, dass mein Herzschlag sich beruhigt.
Wie in jeder anderen Nacht, ist es mir auch diesmal nicht gelungen, ein mir anvertrautes Menschenleben in meinem Traum zu retten.

Wie viele dieser Träume habe ich schon geträumt, wie oft bin ich schon dermaßen aufgewühlt aufgewacht?
Ich muss jemanden retten, die Polizei, den Arzt, die Feuerwehr rufen - allein,  es gelingt mir nicht. Nie in diesem Traum.
Ich bin wie gelähmt, obwohl ich die Nummern in das Telefon tippen möchte will es mir einfach nicht gelingen. Ich möchte um Hilfe rufen und bleibe stumm.
Egal in welcher Situation das Leben eines Menschen zu retten ist, ich versage. Jede Nacht aufs Neue.
Immer wieder.

Das Aufwachen ist zum einen Erleichterung, zum anderen hängt der Traum in seinen vielseitigen Variationen mir jedesmal nach.

Offensichtlicher kann die Psyche nicht mit mir schimpfen und mich auf meine verfehlten Ansprüche hinweisen.

Die Schlaflosigkeit folgt. Ich liege - mittlerweile wieder ruhig - in dieser geräuschlosen Dunkelheit und muss nichts weiter tun, als auf die Gedanken zu warten, die sich nun meiner bemächtigen.
In guten Nächten gelingt es mir, das Gefühl der Traurigkeit abzustreifen, die Gedanken auf Positives zu richten,
In anderen Nächten werden die Gedanken schwerer und sorgenvoller, depressiver und melancholischer.

In ganz furchtbaren Nächten weine ich bitterlich, ohne zu wissen um was und warum.
Ganze Lebensdramen entstehen in meinem Kopf, wie ferngesteuert und ohne,  dass es mir gelingt Einfluss zu nehmen.
Das Tragische, Trügerische, Dunkle bemächtigt sich meiner und es bedarf eines neuen Morgens, der mir verdeutlicht, dass die Nacht Unrecht hatte.
Immer wieder.

In solchen Nächten fühle ich mich einsam, ungeliebt und unverstanden. Obwohl in meinem Hinterkopf die Wahrheit spukt und ich genau weiß, es ist nur die Nacht, die meinen Blick verzerrt, gelingt es mir nicht immer, mich aus dem Nebel zu befreien.

Probleme wiegen schwerer in der Dunkelheit. Lebensfragen stellen sich und können nicht geklärt werden. Alles erscheint dumpf, sinnlos und nicht zu bewältigen.

Die gestrige Nacht war eine der furchtbaren Sorte. Eine, in der es mir einfach nicht gelang mit Humor und Zuversicht die Schlaflosigkeit anzugehen und fortzuführen.
Meist gelingt es mir dann doch irgendwie.
Gestern Nacht nicht.

Es hätte einer Umarmung bedurft. Einer Umarmung, in die man sich fallen lassen kann, in die man eine Weile ruht und aus der man mit der Gewissheit herausgeht:  "Alles wird gut!"

Wie jeder anderen Nacht so folgte auch dieser der Morgen. Es ist, als stünde ein anderer Mensch auf, ginge ins Bad und begibt sich in diesen neuen Tag, diesen Neuanfang.
Ich denke voller Befremden zurück an die Nacht und die heraufbeschworenen Lebensdramen und verstehe nicht wirklich,  was da in mir vorgeht.

Am Tag erscheinen mir meine nächtlichen Gedanken verworren, negativ und dramatisierend.
So ist mein Leben nicht.
Nicht wirklich.

Zum Glück.
Solange das Dunkel in der Nacht bleibt, kann ich damit leben.

19.04.2017, 17.26| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: nächtliches Dunkel

Hormone

Ich nehme an, die Hormone sind Schuld.
Irgendeinen Schuldigen muss es geben, einen Verantwortlichen dafür, dass ich mich nahezu fast fünzigjährig zurückkatapultiert sehe in eine pubertäre Phase.
Gerade noch glücklich und zufrieden, schlägt das Gemüt von einer Sekunde zur anderen um.
Wahlweise in traurig, depressiv, wütend oder verärgert.

Es braucht keinen expliziten Auslöser dafür. Im Grunde könnte es das Sofakissen sein,  das versehentlich falsch gelagert ist - wobei es selbstverständlich keine richtige Lagerungsposition gibt.

Gerade also noch entspannt, zufrieden, glücklich ist das Leben mit einem Male kaum mehr erträglich.
Ich nehme an, die Hormone wollen so mein Bewusstsein für die pubertären Zustände der pubertären Kinder dieses Haushaltes schärfen.

Nicht genug,  dass ich mich also in die Sphären der heimischen Teenager hineinversetzen muss - nein - das eigene Selbst zickt auch deutlichst herum und fordert eine Intensivpflege ein.

Natürlich müssen alle Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung darauf Rücksicht nehmen. Die der weiteren Umgebung auch, sofern sie fernmündlich oder anderweitig mit mir vernetzt sind.
Und wehe dem, sie wagen es, nicht sofort und direkt und empathisch auf meine Stimmungsschwankungen einzugehen. Das - die Lieblingsmenschen könnten es Ihnen bestätigen - hat mitunter folgenschwere Konsequenzen.

Mein Repertoire reicht von Tränenausbrüchen über ungerechte  Verbalattacken bis hin zu eingeschnappten Schweigen. Ich überrasche mich gerne selbst mit meinen Reaktionen und kann nicht mit Gewissheit sagen, was spontan aus mir herausquillt oder eben nicht.

Die Umgangsregel für meine Mitmenschen ist ganz einfach: Aushalten, Durchhalten, Ignorieren.
Also in der Theorie.
In der Praxis muss ich selbstverständlich gehegt und gepflegt werden. Mein am Boden liegendes Selbstwertgefühl benötigt dringend Bauchpinselei, eine dicke Umarmung oder wahlweise auch Wein.

Die Kombination der drei Möglichkeiten hilft in diesen Extremsituationen meist am besten und hat durchaus auch zur Folge,  dass die Schlaflosigkeit sich aushäusig vergnügt.

Es müssen die Hormone sein und ich verabscheue sie.
Wer immer sie erfunden hat, hat nicht geahnt, welche wüstes Treiben sie veranstalten werden und niemand ist in der Lage, ihnen Einhalt zu gebieten.

Alternativ, wären die Hormone nicht Schuld, müsste ich davon ausgehen, an Geist und Seele erkrankt zu sein.
Wie viele kranke Menschen sehe ich das im Hier und Jetzt aber überhaupt nicht ein - ich gestehe die kleine Irritation, dass ich viele erkrankte Menschen mit dieser Negationshaltung kenne ein, möchte sie an dieser Stelle aber zunächst weitgehend ignorieren - und behaupte deshalb erstmal: Es sind die Hormone.

Ich begebe mich nun also in den schwierigen und kräftezehrenden täglichen Kampf gegen das Machtgehabe der selbigen und werde sie überleben.
Das zumindest ist die Grundthese.

Alles andere wäre suboptimal.
Würd ich sagen.

19.04.2017, 01.17| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: nächtliches Dunkel

Schlaflosigkeit

Ich möchte nicht so weit gehen und behaupten, die Schlaflosigkeit und ich wären Freunde geworden, aber gegenseitig akzeptierte Kumpel, so könnten wir uns wohl nennen.
Mit großem Amüsement höre ich mich noch vor einigen Jahren in das Gespräch zweier Kolleginnen grätschen, die sich darüber unterhielten, dass sie unter Schlafstörungen litten.
Ich erwähnte kurz und wenig hilfreich, ich könne immer und überall schlafen,  was mir die Damen seinerzeit neideten.
Heute verstehe ich sie.

Schlafen, das ging Jahrezehnte meines Lebens lang völlig problemlos, immer, überall und ohne Unterbrechung. Meistens durfte ich Träume genießen, Sie wissen schon, jene Träume, die man beim Erwachen unbedingt mit zugekniffenen Augen zurückerobern möchte, nur, um zumindest noch wenige Augenblicke dieses rundum Glücklichgefühl auskosten zu können.

Die Schlaflosigkeit schlicht sich langsam und heimlich in meine Nächte.
Zunächst wachte ich morgens in der Früh auf, mit dem Drang , die Toilette aufsuchen zu müssen. Diesen Drang zu ignorieren, empfiehlt sich nicht, da sich die Gedanken ansonsten ausschließlich um die vorherrschende Problematik drehen und an Schlaf nicht mehr zu denken ist.
Dies sage ich Ihnen heute so direkt, real hat es viele drängende und weniger drängende Experimente mit den eigenen körperlichen Fähigkeiten  gegeben.
Es ist ja nicht so, als ließe ich mir kampflos von meiner Blase einen neuen nächtlichen Rhythmus auferlegen.

In der Tat - Sie werden mir zustimmen müssen - gewinnt man nicht jeden Lebenskampf und ich sah mich zum einen genötigt, mitten in der Nacht die Toilette aufzusuchen und anderseits auch noch triftige Gründe dafür zu entsinnen.
Denn selbstverständlich war ich noch nicht in jenem Alter (es bedarf keiner weiteren Erklärung, oder?).

Und schon hatte sich die Schlaflosigkeit bei mir eingeschlichen. Was zunächst wie ein harmloser Toilettengang anmutete, entpuppte sich mit einem Mal als Gedankenfalle, denn nichts anderes ist diese heimtückische Schlaflosigkeit, die die Gedanken zum Rotieren bringt, Lichtes in Dunkles verkehrt, Abgründe und Probleme heraufbeschwört und bedrohliche bis hysterische Lebensdramen in phantastischer Ausgestaltung zum Besten gibt.

Zwei Jahre lang kämpfte ich. Zuweilen durchaus auf die merkwürdigste Art und Weise. Versuchte ich es zu Beginn noch mit warmer Milch am Abend - die Schlaflosigkeit lächelte bloß wissend - einem heißem Bad, Autogenem Training, Yoga und was die Ratgeber sonst noch alles hergeben, so ging ich irgendwann dazu über Gedichte zu rezitieren. Also im Dunklen jetzt, nachts, für mich allein.

Natürlich für mich allein, wer möchte schon um drei Ihr morgens von mir schlaftrunken den "Zauberlehrling" vorgetragen bekommen?
Gut, ich möchte das auch nicht unbedingt, aber es war ein wenig unterhaltsamer als dieses ganze meditative Getue, das meine Gedanken ohnehin nur auf Abwege führt.

Gerade eben bist Du noch in Deiner Mitte - gedanklich jetzt - da knurrt der Magen und Du denkst daran, was Du morgen alles essen könntest. Das führt Dich dazu, was Du kochen könntest, würdest Du jemals kochen und das wiederum bedingt, dass man sich die Einkaufskiste durch den Kopf gehen lässt.
Im Supermarkt - ich persönlich empfinde das als Affront  - haben die die Waren neu verteilt und man findet nun gar nichts mehr. Vor dem Einkauf müsste ich tanken fahren, ach, die Sommerreifen müssten drauf, vielleicht kann bald wieder gegrillt werden, aber vorher brauche ich neue Stuhlauflagen oder ich wasche die alten. Irgendwer erwähnte, ich solle zweimal die Woche bei  90° Grad waschen, damit die Rückstände in der Waschmaschine weggespült werden. Wo hatte ich das nur gehört? Ich aß den leckeren Salat, als mir das jemand erzählte. Rote Beete, die war darin, also im Salat jetzt. Innere Mitte, wer zum Henker braucht schon eine innere Mitte?

Die Sache mit der Meditation hatte sich somit erledigt. Die Sache mit dem Schlaf auch.
Heute ignoriere ich die Schlaflosigkeit weitgehend. Sie besucht mich jede Nacht. Mehrere Stunden lang macht sie es sich neben mir gemütlich und versucht meine Aufmerksamkeit zu erregen.

Natürlich muss ich längst nicht mehr auf die Toilette nachts. Das war so eine abgekarterte Sache zwischen meinem Körper und der Schlaflosigkeit. Heute, heute lieg ich einfach nur da. Meist schreibe ich gedanklich wunderbare Texte, selbstverständlich literaturnobelpreiswürdig, die mir morgens nach dem zweiten Erwachen dann aber längst nicht mehr in ihrer nächlichen  Brillanz einfallen.

Zwischen nächtlicher Depression und genialem Wahnsinn dümple ich so dahin.
Nachts jetzt.
Tagsüber versuche ich mir nichts anmerken zu lassen.
Die Menschen halten mich - so glaube ich - noch für normal.

18.04.2017, 14.15| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: nächtliches Dunkel

Über das Wiedererkennen

Sie würden mich nicht erkennen, begegneten wir uns andernorts und nicht allein in diesen - wenn auch durchaus wahren - Worten.
Natürlich würden Sie mich nicht erkennen.
Vielleicht sitze ich an der Ampel im Auto neben Ihnen und lächle Ihnen zu, aus dem Empfinden heraus, Ihnen würde das Lächeln gut tun.
Möglicherweise sehen Sie mich aber auch entnervt mit den Augen rollen, wenn es mir beim Einkauf nicht schnell genug geht oder ich regennass über den tristen Parkplatz laufe.

Ich könnte der ausgelassen neben Ihnen tanzende Mensch auf einem Konzert sein, das nassgeschwitzte Gegenüber in der Sauna oder einfach nur jemand, mit dem Sie sich beruflich auseinandersetzen müssen.

Das,  was hier zu lesen sein wird spielt sich allein in meinem Kopf ab. Ich vermag es wegzulächeln, fortzutanzen, abzuschütteln, zu verwüten. Nur die wenigsten Menschen - mögen es vielleicht zwei oder drei sein - können in meinem Gesicht wie in diesen Texten lesen.

Diese Worte werden mein geheimes Schatzkästchen sein. "Bedingt geheim!", denken Sie nun, aber geheim genug.
Immerhin wird es andere Menschen geben, die so wie ich - mitten im Leben stehend, satt an reichen Erfahrungen und gar übersättigt von vielen Dingen - sich möglicherweise unversehends mit neuen - und durchaus unerwünschten - Lebensfragen herumquälend, vor einer unergründlichen Traurig- und Unzufriedenheit stehen sehen, gar nicht recht wissend, wie damit umzugehen und sich neu finden müssen.

Ich könnte jeder Mensch sein, dem Sie heute oder anderntags begegnen.
Denn ich verkörpere den Durchnitt. Irgendeinen Durchschnitt.

Doch gäbe es auch kein reales Wiedererkennen, so mag der ein oder andere sich in diesen Worten wiederfinden. In diesen Selbstzweifeln, Wünschen, Hoffnungen, Träumen und Gedanken.
Dunkle und Helle.

So wie im echten Leben!
Willkommen irgendwo zwischendrin!

18.04.2017, 13.05| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: irgendwo zwischendrin

erhellende Meinungen
kurze Grüße

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