Ausgewählter Beitrag

Hormone

Ich nehme an, die Hormone sind Schuld.
Irgendeinen Schuldigen muss es geben, einen Verantwortlichen dafür, dass ich mich nahezu fast fünzigjährig zurückkatapultiert sehe in eine pubertäre Phase.
Gerade noch glücklich und zufrieden, schlägt das Gemüt von einer Sekunde zur anderen um.
Wahlweise in traurig, depressiv, wütend oder verärgert.

Es braucht keinen expliziten Auslöser dafür. Im Grunde könnte es das Sofakissen sein,  das versehentlich falsch gelagert ist - wobei es selbstverständlich keine richtige Lagerungsposition gibt.

Gerade also noch entspannt, zufrieden, glücklich ist das Leben mit einem Male kaum mehr erträglich.
Ich nehme an, die Hormone wollen so mein Bewusstsein für die pubertären Zustände der pubertären Kinder dieses Haushaltes schärfen.

Nicht genug,  dass ich mich also in die Sphären der heimischen Teenager hineinversetzen muss - nein - das eigene Selbst zickt auch deutlichst herum und fordert eine Intensivpflege ein.

Natürlich müssen alle Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung darauf Rücksicht nehmen. Die der weiteren Umgebung auch, sofern sie fernmündlich oder anderweitig mit mir vernetzt sind.
Und wehe dem, sie wagen es, nicht sofort und direkt und empathisch auf meine Stimmungsschwankungen einzugehen. Das - die Lieblingsmenschen könnten es Ihnen bestätigen - hat mitunter folgenschwere Konsequenzen.

Mein Repertoire reicht von Tränenausbrüchen über ungerechte  Verbalattacken bis hin zu eingeschnappten Schweigen. Ich überrasche mich gerne selbst mit meinen Reaktionen und kann nicht mit Gewissheit sagen, was spontan aus mir herausquillt oder eben nicht.

Die Umgangsregel für meine Mitmenschen ist ganz einfach: Aushalten, Durchhalten, Ignorieren.
Also in der Theorie.
In der Praxis muss ich selbstverständlich gehegt und gepflegt werden. Mein am Boden liegendes Selbstwertgefühl benötigt dringend Bauchpinselei, eine dicke Umarmung oder wahlweise auch Wein.

Die Kombination der drei Möglichkeiten hilft in diesen Extremsituationen meist am besten und hat durchaus auch zur Folge,  dass die Schlaflosigkeit sich aushäusig vergnügt.

Es müssen die Hormone sein und ich verabscheue sie.
Wer immer sie erfunden hat, hat nicht geahnt, welche wüstes Treiben sie veranstalten werden und niemand ist in der Lage, ihnen Einhalt zu gebieten.

Alternativ, wären die Hormone nicht Schuld, müsste ich davon ausgehen, an Geist und Seele erkrankt zu sein.
Wie viele kranke Menschen sehe ich das im Hier und Jetzt aber überhaupt nicht ein - ich gestehe die kleine Irritation, dass ich viele erkrankte Menschen mit dieser Negationshaltung kenne ein, möchte sie an dieser Stelle aber zunächst weitgehend ignorieren - und behaupte deshalb erstmal: Es sind die Hormone.

Ich begebe mich nun also in den schwierigen und kräftezehrenden täglichen Kampf gegen das Machtgehabe der selbigen und werde sie überleben.
Das zumindest ist die Grundthese.

Alles andere wäre suboptimal.
Würd ich sagen.

19.04.2017, 01.17

Kommentare hinzufügen


Kein Kommentar zu diesem Beitrag vorhanden

erhellende Meinungen
kurze Grüße

Captcha Abfrage



RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3
2019
<<< März >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    010203
04050607080910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
Tag-Cloud