Ausgewählter Beitrag

Eine Nacht wie jede andere

Ich wache schweißgebadet auf, zittere und mein Herz klopft laut und überdeutlich. Der Puls rast.
Der Blick auf die Uhr zeigt, was er jede Nacht zeigt, ich habe exakt 90 Minuten geschlafen. Ich liege im Dunkeln und warte darauf, dass mein Herzschlag sich beruhigt.
Wie in jeder anderen Nacht, ist es mir auch diesmal nicht gelungen, ein mir anvertrautes Menschenleben in meinem Traum zu retten.

Wie viele dieser Träume habe ich schon geträumt, wie oft bin ich schon dermaßen aufgewühlt aufgewacht?
Ich muss jemanden retten, die Polizei, den Arzt, die Feuerwehr rufen - allein,  es gelingt mir nicht. Nie in diesem Traum.
Ich bin wie gelähmt, obwohl ich die Nummern in das Telefon tippen möchte will es mir einfach nicht gelingen. Ich möchte um Hilfe rufen und bleibe stumm.
Egal in welcher Situation das Leben eines Menschen zu retten ist, ich versage. Jede Nacht aufs Neue.
Immer wieder.

Das Aufwachen ist zum einen Erleichterung, zum anderen hängt der Traum in seinen vielseitigen Variationen mir jedesmal nach.

Offensichtlicher kann die Psyche nicht mit mir schimpfen und mich auf meine verfehlten Ansprüche hinweisen.

Die Schlaflosigkeit folgt. Ich liege - mittlerweile wieder ruhig - in dieser geräuschlosen Dunkelheit und muss nichts weiter tun, als auf die Gedanken zu warten, die sich nun meiner bemächtigen.
In guten Nächten gelingt es mir, das Gefühl der Traurigkeit abzustreifen, die Gedanken auf Positives zu richten,
In anderen Nächten werden die Gedanken schwerer und sorgenvoller, depressiver und melancholischer.

In ganz furchtbaren Nächten weine ich bitterlich, ohne zu wissen um was und warum.
Ganze Lebensdramen entstehen in meinem Kopf, wie ferngesteuert und ohne,  dass es mir gelingt Einfluss zu nehmen.
Das Tragische, Trügerische, Dunkle bemächtigt sich meiner und es bedarf eines neuen Morgens, der mir verdeutlicht, dass die Nacht Unrecht hatte.
Immer wieder.

In solchen Nächten fühle ich mich einsam, ungeliebt und unverstanden. Obwohl in meinem Hinterkopf die Wahrheit spukt und ich genau weiß, es ist nur die Nacht, die meinen Blick verzerrt, gelingt es mir nicht immer, mich aus dem Nebel zu befreien.

Probleme wiegen schwerer in der Dunkelheit. Lebensfragen stellen sich und können nicht geklärt werden. Alles erscheint dumpf, sinnlos und nicht zu bewältigen.

Die gestrige Nacht war eine der furchtbaren Sorte. Eine, in der es mir einfach nicht gelang mit Humor und Zuversicht die Schlaflosigkeit anzugehen und fortzuführen.
Meist gelingt es mir dann doch irgendwie.
Gestern Nacht nicht.

Es hätte einer Umarmung bedurft. Einer Umarmung, in die man sich fallen lassen kann, in die man eine Weile ruht und aus der man mit der Gewissheit herausgeht:  "Alles wird gut!"

Wie jeder anderen Nacht so folgte auch dieser der Morgen. Es ist, als stünde ein anderer Mensch auf, ginge ins Bad und begibt sich in diesen neuen Tag, diesen Neuanfang.
Ich denke voller Befremden zurück an die Nacht und die heraufbeschworenen Lebensdramen und verstehe nicht wirklich,  was da in mir vorgeht.

Am Tag erscheinen mir meine nächtlichen Gedanken verworren, negativ und dramatisierend.
So ist mein Leben nicht.
Nicht wirklich.

Zum Glück.
Solange das Dunkel in der Nacht bleibt, kann ich damit leben.

19.04.2017, 17.26

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